Es reicht … ich fordere eine echte Kontrollinstanz für Jugendämter

Als jemand ohne Kinder, der als Kind nicht diagnostiziert wurde, kann ich da leider nicht selbst beitragen. Aber es wenigstens verbreiten und Aufmerksamkeit erzeugen.

innerwelt

Mittlerweile ist viel Zeit vergangen. Wir waren fast eineinhalb Jahre vor Gericht, wegen etwas, dass eigentlich selbstverständlich sein sollte. Darüber möchte ich heute berichten. Denn die Schonfrist ist vorbei. Mein Stillschweigen nicht mehr notwendig, um der anderen Seite nicht noch mehr Informationen zuzuspielen, als gut für uns wäre.
Wir haben verloren, vielmehr mein Sohn, weil …

Es gibt keine Kontrollinstanz inhaltlicher Form für die Entscheidung des Jugendamtes

Etwas, dass wir schmerzlich nach so langer Zeit erfahren mussten. Auch das Landesjugendamt hat nur eine beratende Funktion, kann aber einen Entscheid nicht aufheben. Kann das rechtens sein?
Ja, man kann klagen. Vor dem Verwaltungsgericht. Aber dort wird nur der Verwaltungsakt an sich geprüft. Eineinhalb Jahre lang, haben wir Bericht um Bericht geschrieben. Ärzte konsultiert, Berichte eingefordert und alles um uns herum kirre gemacht. Und dann war alles umsonst. Gegen Amtsaussagen und Amtswillkür kann nicht geklagt werden. Es wäre völlig egal…

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„Hast Du den Film denn gesehen?“ – #Elternschule

Autismus - Keep calm and carry on

oder hast Du nur den Trailer gesehen und ein ~ zwei Artikel gelesen?

Sagen wir mal so, wenn ich ins Kino gehen würde um mir diesen Film anzusehen, würde man mich höchstwahrscheinlich schnell aus dem Kino entfernen.

Außerdem gibt es Dokumentationen und Filme, die kann ich einfach nicht am Stück sehen.
Ich brauche Erholungspausen und muss mir Notizen machen können.
Soviel aber nur vorab.

Etwas anderes ist mir durchaus wichtiger.

Wir reden hier von einem Konzept, dass in dieser Dokumentation kritiklos als Chance dargestellt wird.

So zumindest ist es Interviews und Anmoderationen zum Film zu entnehmen.

Ein Konzept übrigens, dass mit einer Erfolgschance von 85% wirbt, über das es aber keine Studien gibt. Demzufolge auch keine Studien über Langzeitfolgen – weder positiv noch negativ.

Ich bin der Meinung das ich den Film auch nicht sehen muss, wenn die Recherche zum Konzept, zur Klinik und zu den Akteuren recht eindeutig ausfällt.

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Was soll man jetzt sagen?

Elodiylacurious

Nachdem ich kürzlich ja etwas darüber sagte, wie man Menschen mit Behinderungen jetzt bezeichnen sollte, gibt es aktuell auf Twitter eine gleichartige Diskussion im Bezug auf Autisten. Da das Thema auch häufiger vorkommt, werde ich jetzt also nochmal etwas genaueres dazu sagen.

Wer diesen Blog schon länger verfolgt weiß ja schon, dass ich überwiegend „Identity-First-Language“ benutze. Ich bezeichne mich selbst als Autistin, andere mit derselben Diagnose dann als Autisten, und so weiter. Manchmal weiche ich auch auf „autistisch“ aus, aber immer bei bestimmten Personengruppen, wie Schüler oder Studenten. Da geht es dann auch eher darum, notwendige Informationen möglichst kompakt darzustellen und nicht diverse Nebensätze konstruieren zu müssen.

Schaut man aber in die Medien, findet man aber vor allem die Formulierung „Menschen mit Autismus“ („Person-First-Language“). Beliebt ist auch, dass jemand Autismus „hat“ oder daran „leidet“. Insbesondere letzteres ist großer Blödsinn, da man unter Autismus nicht per se leidet. Ich tue das…

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Dankbarkeit

Wer sich als behindert zu erkennen gibt, von dem wird oft verlangt, teilweise sogar von anderen Behinderten, dass er doch dankbar sein solle für die Dinge, die für ihn getan werden. Zum Beispiel unsinnige Gesetze, die die Behindertencommunity geschlossen ablehnt (siehe #NichtMeinGesetz). Oder dass Behinderte unter dem Mindestlohn beschäftigt werden, meistens ohne die Chance, tatsächlich in ein geregeltes Arbeitsverhältnis zu kommen, in den Werkstätten (aber immerhin haben sie ja eine Beschäftigung, oder?). Oder weil sich Menschen ganz persönlich um einige Behinderte kümmern („mit ihnen arbeiten“*) und dafür dann Dankbarkeit von der gesamten Community dafür erwarten, egal wie schlecht ihr Verhalten ist.

Die Sache ist: Ich muss gar nichts. Auch nicht Dankbarkeit zeigen, wenn da nichts ist, wofür ich dankbar sein könnte.

So wie die Frauen nicht dem Patriarchat für das Wahlrecht dankbar sein müssen. Eben jenem Patriarchat, das ihre Grundrechte so lange und ausdauernd verweigert hat, bis an den Punkt, wo die Frauen so aufbegehrten, dass sie nicht mehr ignoriert oder wegdiskutiert werden konnten. Jene Frauen können höchstens ihren Vorreiterinnen dankbar sein, aber nicht einem System, das ihnen so lange alle Möglichkeiten genommen und verweigert hat.

Und darum geht es bei angeblicher „fehlender Dankbarkeit“ am häufigsten: Behinderte kritisieren ein System, das sie systematisch benachteiligt und dies wird ihnen dann als Undankbarkeit an jene paar Menschen ausgelegt, die ihnen helfen und sie unterstützen wollen. Hier wird die Kritik an einem System und Kritik an einzelnen Personen miteinander vermischt (etwas, was Menschen notorisch schlecht auseinander halten können, daher verständlich – nicht weniger falsch, aber).

Dankbar kann ich natürlich Individuen sein, die mir helfen und nett zu mir sind. Ich muss aber einer Gesellschaft und ihren Strukturen, die mich systematisch benachteiligen, egal wie oft und lange sie mir erzählen, das würden sie ja schon gerne ändern, nicht dankbar sein. Ich muss den Behörden, die meine Hilfegesuche ablehnen, nicht dankbar sein. Ich muss der fehlenden Barrierefreiheit im öffentlichen Raum nicht dankbar sein. Ich muss Politikern, die die Inklusion pausieren wollen und Journalisten, die meine Art des Denkens als abwertende Metapher nutzen, nicht dankbar sein.

Ich muss nicht dankbar dafür sein, dass wir noch nicht zwangsweise in Heime abgeschoben werden. Aber: Wie niedrig sollen wir die Grundrechte-Latte denn noch anlegen?

 

* Ich persönlich finde die Bezeichnung „an ihnen arbeiten“ häufig zutreffender, denn so einige der Leute, auf die man dort trifft, verhalten sich zu Behinderten sehr herablassend und behandeln sie mehr wie Hunde als Menschen.

Was nicht mechanistisch erklärbar ist – Vom unsichtbaren Autismus…

Wolkenzähler

Bevor ich hier jetzt von meinen Erfahrungen berichte, möchte ich zunächst mit einer kurzen Stoffsammlung von Äußerungen neurotypischer Menschen beginnen, die der ein oder andere mit einer Autismus Diagnose womöglich so, oder in ähnlicher Form, ebenfalls kennen wird.

„Dann hast du also den Autismus, den man gar nicht sieht.“
„Das kann bei dir niemals Autismus sein. Das kommt alles von deiner verkorksten Kindheit.“
„Ich sehe dich nicht als Autistin.“
„Wenn du wirklich Autismus hättest, dann wäre das doch schon längst als Kind entdeckt worden.“
„Das du Asperger haben sollst, merkt man aber nicht.“
„Autismus wird doch heute genauso vorschnell diagnostiziert wie ADHS. Das würde ich an deiner Stelle noch mal überprüfen lassen. Du wirkst doch ganz normal.“
„Wieso kannst du wegen deinem Autismus nicht mehr arbeiten? Bei deiner schriftsprachlichen Ausdrucksfähigkeit. Das kann doch gar nicht sein. Du bist doch intelligent.“

Wenn ich solche Aussagen höre, dann frage ich mich ernsthaft…

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Ungerechtigkeit von Amts wegen

SWB - MeiBlog

Leid kann man eigentlich nicht vergleichen. Wie die Partnerin eines meiner Kinder einmal meinte: „Gerade weil wir alle in unserer eigenen Subjektivitätssuppe schwimmen, ist es völlig unsinnig, Anstrengungen und Mühe mit denen Anderer zu vergleichen, bzw. gar Leid zu relativieren und zu quantifizieren. „Wieviel mal Bus verpassen sind einmal Ebola?“ (guter Titel eines mittelmäßigen Poetry-Slam-Textes)“. Ämter und insbesondere Versorgungsämter müssen Leid, bzw. Behinderung aber nunmal vergleichen und auch quantifizieren, um Leid in Form von Graden der Behinderung festzustellen.

Dabei leide ich unter der Ungerechtigkeit der Entscheidungen der Ämter. Ich muss im Klageverfahren um einen höheren GdB als 30 kämpfen, weil ich laut Versorgungsamt nur leichte soziale Einschränkungen durch die seelische Störung Autismus habe. Und da bin ich nicht die Einzige. Gedankenkarrussel und Elodiylacurious ging es offenbar genauso.

Im Arztbericht, den ich nach der Diagnose erhielt, steht geschrieben, dass ich dank meines Autismus bereits seit Jahrzehnten deutliche Probleme im…

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Nervöse Finger (Stimming)

Elodiylacurious

Damit habe ich meine Mutter regelmäßig genervt. Immer, wenn wir irgendwo zusammen waren und ich nervös wurde, suchte ich mir einen Druckknopf an meiner Jacke und machte ihn auf. Und wieder zu. Und auf. Und wieder zu. Oder, noch schlimmer und öfters vorhanden, einen Reißverschluss. Auf, zu, auf, zu, auf, zu. Stifte hatten im Allgemeinen ein eher kurzes Leben, sobald sie einen Deckel und/oder einen Clip besaßen. Ich spielte in der Schule (insbesondere, nachdem ich das ständige Zeichnen aus unterschiedlichen Gründen aufgeben musste) ständig an diesen herum. Das Material war dafür natürlich nicht ausgelegt.

Mein rechter Oberarm hat auffällig viele Narben. Nicht etwa, weil ich mich da besonders oft verletzt hätte. Sondern weil ich die Angewohnheit habe, bei Anspannung mit der linken Hand am rechten Oberarm zu kratzen und zu piddeln. Zum Teil bis zum Ellenbogen hinunter. Als es im Dezember im Haus brannte, habe ich mir in der Folge…

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