Fehlende Sensibilität

Wie ich ja schon in der Diskussion gesagt habe: Wenn ihr die Begriffe „Autist“ oder „autistisch“ als Witz oder Redewendung (?) verwendet, klingt ihr für Leute, die von dem Thema Ahnung haben, wie ein Kleinkind, das gerade ein neues Wort gelernt hat, das es noch nicht versteht und einfach vor sich hin brabbelt, ohne Sinn oder Zusammenhang. Ob man wirklich von außen so eine Wirkung erzielen wollte? Das ist jedenfalls der Eindruck, der entsteht, gerade auch, wie im Falle der einen Person dann noch eine Art kindlicher Tobsuchtsanfall folgt im Stile von „das wird man ja wohl noch sagen dürfen“.

Elodiylacurious

Ehrlich, in den letzten Tagen komme ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus.

Der erste Knaller war folgender Tweet

*** ist so autistisch, er schwitzt an den Knien und Schienbeinen aber nicht an den Kniekehlen. What.

Ich hätte mich da erst einmal gar nicht eingeschaltet. Solche geschmacklosen Witze findet man tagtäglich in den sozialen Netzwerken. Als die Verfasserin darauf angesprochen wurde, trat sie zunächst in ein Fettnäpfchen nach dem ersten. Bezeichnete Autismus als Krankheit und auf den Hinweis, dass es keine sei, schien die Bezeichnung auch vollkommen egal.

Der eigentliche Knaller kam aber hiermit

Ich denke ich benutze eher als viele mein Gehirn. Durch weniger Ficks geben bauen wir auch das zu Ernst nehmen vieler Themen ab. Und sorgen damit dafür, dass sowas wie Autismus mehr in der Mitte der Gesellschaft ankommen kann als unnötig beschützt zu werden.

Mit anderen Worten; Wenn wir es nicht zulassen, dass man sich über uns…

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Als ich auf der Schule war, waren „schwul“ und „behindert“ die beiden großen Schimpfworte und Ziele aller Witze. Ich kannte infolgedessen nicht eine Person in meiner Klasse, die schwul oder lesbisch war, obwohl statistisch gesehen bis zu zwei meiner Mitschüler eins davon hätten sein müssen. Warum nur haben die Witze über ihre Sexualität nicht zu ihrem Selbstbewusstsein beigetragen, wo sie doch so toll Aufmerksamkeit schaffen? *rolleyes*

Autismus - Keep calm and carry on

denn nur wenn wir Witze über ein Thema machen holen wir es aus der Tabuzone.“

Ist das wirklich so?

Warum ist zum Beispiel Autismus überhaupt ein Tabuthema?

In meiner Jugend war es noch gesellschaftlich akzeptiert Witze mit „Mongo“, „Spasti“ und anderem Unsinn zu „garnieren“. Das war auch relativ einfach, weil man ja meist Niemanden kannte der das Downsyndrom oder eine Spastik hatte. Die Kinder gingen auf Förderschulen, hübsch abgetrennt vom Rest der Welt und verschwanden dann oft in Behindertenwerkstätten.
Die Eltern zogen sich mit ihren Kindern, oft gezwungener Maßen, aus dem gesamtgesellschaftlichen Umfeld zurück und verschwanden in einer Parallelwelt. Ein behindertes Kind zu haben gereichte den Eltern nicht zur Ehre. Der historische Hintergrund spielt hierbei natürlich eine enorme Rolle und ist noch tief im (Unter)Bewusstsein der Allgemeinbevölkerung verankert.

Haben also die Witze über Behinderung hier aktiv geholfen diese Tabuzone zu durchbrechen? Oder dienten diese nur zur Abgrenzung von Andersartigkeit und…

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„Hilfreiche“ Umfrage?

Ich hab für mein Studium mal Fragebogenerstellung gelernt. So geht es nicht.

butterblumenland

Ich scrollte heute Vormittag im Büro mal kurz durch meine Timeline bei Facebook. Auf Autismusseiten und in Gruppen wurde fast zeitgleich eine Umfrage geteilt. Der Titel und der Vorschaubeitrag klingen interessant

„Freizeitverhalten Autismus“

und

„um Familien mit autistischen Kindern in Zukunft besser und gezielter unterstützen zu können, ist es notwendig mehr Informationen über das Leben und den Alltag von Kindernund Jugendlichen mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) zu sammeln.“

Außerdem prangt in der Vorschau groß der Bundesadler und in Fettschrift „Bundesministerium für Bildung und Forschung“. Sieht also absolut seriös aus.  Mein erster Gedanke war dann auch positiv. „Wow, endlich merkt mal eine Regierungsbehörde, dass es viel zu wenig Unterstützung für Autisten und die Familien autistischer Kinder gibt und will etwas dagegen unternehmen.“ Ich speicherte mir den Link ab. Nach Feierabend zu Hause klickte ich darauf und war ziemlich schnell ziemlich ernüchtert. Die ersten Fragen drehten sich um meine persönliche Daten. Geschlecht und…

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Kritik eines Beitrages

Ne knappe Empfehlung: Wenn ihr als NT über Autismus schreiben wollt, fragt doch einfach mal Autisten. Sonst passiert so ne cringige Sache wie der hier zerlegte Blogtext.

Elodiylacurious

Die Tage stolperte ich auf Twitter über folgenden Artikel

https://www.andre-braselmann.de/autismus/

Nur beinhaltet dieser Artikel sehr viele Klischees und Fehler, wie ich auch dem Autor direkt auf Twitter mitteilte. Dort wurde ich dann um eine Kritik auf der Website gebeten. Nun ja, jetzt wird die Kritik aber viel zu ausführlich ausfallen. Denn wenn, dann wird sie auch vollständig. Deshalb gibt das jetzt einen Blogbeitrag, den ich später unter diesem Artikel verlinken werde [sollte das technisch möglich sein].

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Deutscher Autismuskongress Juni 2017: „Sie können sich ja durchfragen“

Mit beinahe dreiwöchiger, aber unvermeidlicher Verspätung möchte ich an dieser Stelle einige Eindrücke vom Deutschen Autismuskongress festhalten, der vom 9. bis zum 11. Juni in den Dortmunder Westfalenhallen stattfand. Für mich war es die erste Teilnahme an einer solchen Veranstaltung, und ich blicke mit sehr gemischten Gefühlen darauf zurück, auch wenn ich unter dem Strich froh bin, dabei gewesen zu sein. Aber alles der Reihe nach.

Ich ahnte Schlimmes, als Maria Kaminski, Oberamme des Veranstalters Autismus Deutschland, in ihren eröffnenden Grußworten wiederholt liebevoll-herablassend von „unseren Autisten“ sprach. Fast schon musste ich mir die redlich bemühte Dame als Großmutter aus Günter Grass’ Klassiker „Die Blechtrommel“ vorstellen, die ihre in mehreren Lagen übereinandergeschichteten Röcke käseglockenartig über „ihren Autisten“ aufspannt, ein luft- und lichtundurchlässiger Schutzschild nicht nur gegen schädliche Einflüsse von außen, sondern auch gegen allzu freie Entfaltung der Schützlinge.

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Der Standardpatient ist nicht blind

Lydia's Welt

Das Foto zeigt mich während einer augenärztlichen Untersuchung.

Früher dachte ich immer, dass Augenärzte und Augenkliniken auf blinde und hochgradig sehbehinderte eingestellt sind. Die Wirklichkeit sieht anders aus.
Der Standardpatient ist meist älter und kommt in sehender Begleitung. Außerdem ist er nicht unbedingt blind, sondern verfügt noch über einen ausreichenden Sehrest, der ihm erlaubt den standardmäßigen Sehtest zu durchlaufen, oder ohne Begleitung der Krankenhausmitarbeiter von a nach b zu kommen. Der blinde Patient, der wie ich auch mal ohne Begleitung unterwegs ist, weicht total vom Standard ab.

Kurz zur Klärung der Begriffe: Bis zu einem Sehvermögen von 2 % sprechen wir von Blindheit, bis ca. 5 % von hochgradiger Sehbehinderung und bis zu einem Restsehen von 30 % gilt man als sehbehindert. Ich bin dem Gesetz nach blind, da mein Sehrest ca. 2 % beträgt. Durch meine Hornhautverkrümmung bin ich sehr blendempfindlich. Normales Tageslicht ist mir schon zu hell. Daher…

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